Von dem Philosophen Martin Heidegger wird der Satz überliefert: „Die Frömmigkeit des Denkens ist das Fragen“. Kurz vor seinem Tod aber soll er diesen Satz noch einmal abgeändert haben. Die neue Erkenntnis lautete jetzt: „Die Frömmigkeit des Denkens ist das Hören!“
Hören können ist wirklich wichtig. Dabei geht es eigentlich nicht nur um die Unterscheidung von Laut und Leise, sondern darum, den anderen wahrzunehmen: ein Zuhören, das sich dem andern öffnet und aufgeschlossen ist gegenüber dem, was er mitteilen will. Und um die Geduld, die erforderlich ist, um jemanden wirklich anzuhören und in die Kommunikation einzubeziehen.
„Wer Ohren hat zu hören, der höre!“ (Mk 4,9) lautet kurz und knapp die Mahnung Jesu an seine Gefolgschaft. Ein anderes Mal heilt er auf wundersame Weise einen Gehörlosen, einfach nur mit dem Wort „Effata! – Öffne dich! Das ist auch ein deutlicher Hinweis für eine Lebensgestaltung aus dem Glauben: Der Hörende ist einer, der offen ist, der die Stimme Gottes zu vernehmen weiß. Die kommt nie im lauten Befehlston daher, sondern eher im Stillen – und manchmal braucht sie auch gar keine Worte.
Genauso wichtig ist ein zweiter Gedanke: In der Glaubensgeschichte der Bibel wird nicht nur von Menschen berichtet, die ihr Ohr himmelwärts richten. Vielmehr wird auch Gott selbst als ein Hörender beschrieben. „Sollte der nicht hören können, der das Ohr gepflanzt hat!“ – heißt es in Psalm 91 über den Schöpfergott. Ein hörender Gott sucht hörende Menschen. Er spricht zu ihnen durch das Wort, das im Anfang war, und er hört ihr Klagen und ihr Loben.
„Du bist ein guter Zuhörer!“ Das ist eines der schönsten Komplimente, das man anderen machen kann. Und wie wichtig ist es in Partnerschaft und Kindererziehung, dass man sich müht, den anderen anzuhören.
Wer es vermag, bei anderen die Hörsamkeit zu wecken, wer sie einbezieht in Gespräch und Austausch und wer die Fessel ihrer Zunge lösen kann, der ist wahrhaft bereichernd für das Zusammenleben. Der kann sich fühlen wie König Salomo, von dem die berühmte Bitte stammt: „Verleih deinem Knecht ein hörendes Herz“ (1 Könige 3,9)