Ein junger Mann mit einem weißen Fahrradhelm und einer schwarzen Jacke lächelt, während er mit verschränkten Armen steht. Im Hintergrund sind unscharf Autos und ein paar Pflanzen zu erkennen.
03.06
2026
06:50
Uhr

Erfahrungen auf zwei Rädern

Ein Beitrag von Matthias Drodofsky

Der Weg zu meiner Arbeitsstelle führt mich mit dem Fahrrad quer durch Berlin. Oft sind da viele unterwegs, man fährt nebeneinander her, hintereinander, jeder in seiner eigenen Spur.
Neulich fuhr ich eine Weile hinter einem anderen Radfahrer. An einer Stelle bog er plötzlich ab, auf einen kleinen Fahrradweg, der mir bisher noch nie aufgefallen war. Ich schaute ihm interessiert hinterher. Ob das vielleicht eine Abkürzung ist? Oder der schönere Weg? 

Während ich darüber nachdachte und den anderen mit den Augen verfolgte, passierte es: Wie aus dem Nichts tauchte direkt vor mir ein Warnschild auf. Vorsicht Baustelle. Ungeschickterweise mitten auf meinem Fahrradweg. Ich zog die Bremsen. Aber - zu spät. Ich krachte gegen das Schild, flog über den Lenker, machte einen Purzelbaum und landete auf dem Boden. Zum Glück hatte ich einen Helm auf. Und Gott sei Dank blieb ich unverletzt. Ich stand auf, klopfte mich ab und untersuchte erst mich, dann mein Fahrrad. Wir beide waren glimpflich davongekommen. Also setzte ich mich wieder in den Sattel. Etwas zittrig, aber heilfroh fuhr ich weiter.

Später dachte ich über diesen Unfall nach. Und mir fielen ein paar Lehren ein.
Erstens: Wer unterwegs ist, tut gut daran, den eigenen Weg im Blick zu behalten. Das klingt selbstverständlich. Ist es aber nicht immer. Auch im Leben gibt es Abzweigungen, Möglichkeiten, Wege, die bei anderen interessant aussehen. Und manchmal verlieren wir darüber aus dem Blick, wo wir selbst unterwegs sind.

Zweitens: Wenn sich ein neuer Weg auftut, lohnt es sich, kurz anzuhalten. Innezuhalten. Hinzuschauen. Und nicht bei voller Fahrt gedanklich in eine andere Richtung zu fahren. Vielleicht ist der neue Weg wirklich verlockend. Aber um das zu prüfen, braucht es einen Moment der Unterbrechung. Den eigenen Weg im Blick behalten. Das Ziel nicht aus den Augen verlieren. Und zugleich offen bleiben für neue Wege. Vielleicht ist das eine gute Übung fürs Leben.

Ach ja, und eine dritte Lehre gibt es auch noch: Auf dem Fahrrad – und im Leben – ist es hilfreich, ab und an einen Schutzengel dabei zu haben.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie auf Ihren Wegen heute gut ankommen – und hoffentlich auch einen solchen Schutzengel an Ihrer Seite haben.