Eine grüne Pflanze wächst zwischen verrosteten Metallplatten, die unter einem großen, grünen Objekt liegen. Die Pflanze hebt sich lebhaft von der abgenutzten, industriellen Umgebung ab und symbolisiert das Leben, das sich in einem vernachlässigten Raum entfaltet.
05.06
2026
06:50
Uhr

Es wuchert

Ein Beitrag von Matthias Drodofsky

Vor einiger Zeit wurde in der Nähe meiner Wohnung eine Tankstelle abgerissen. Danach blieb da nur ein leeres Grundstück. Eine Brache. Eingezäunt und trostlos. Und trotzdem ist dort einiges passiert. Nicht durch Bauarbeiter. Nicht durch Stadtplanung. Sondern einfach so. Die Natur hat sich den Ort zurückerobert. Zwischen den Steinen wachsen Gräser. Kleine Bäumchen sind zu sehen. Sträucher breiten sich aus. Eine kleine Wildnis ist entstanden. Mitten in Berlin.

Mich faszinieren solche Orte, an denen die Natur sich Bahn bricht. Zwischen Asphalt und Beton. In Mauerritzen. Auf Brachflächen. Am Rand von Gehwegen.

Natürlich ist das kein Ersatz für Umweltschutz. Und der ist dringend nötig. Heute, am Weltumwelttag, werden wir besonders daran erinnert. Es geht um saubere Luft, um Wasser, um Artenvielfalt, um Klima, um die Frage, wie wir so leben können, dass auch kommende Generationen noch gut leben können. Das ist keine Nebensache. Das ist überlebenswichtig.

Und da machen mir solche kleinen Wildwüchse Mut. Sie erinnern mich an ein Gleichnis, das Jesus einmal erzählt. Da sät ein Mensch Samen in die Erde, Tag für Tag. Und der Same geht auf und wächst. Er weiß selbst nicht wie. In diesem Samen sieht Jesus Gottes Reich, das wächst und wächst.

Ich mag diesen Gedanken. Da wächst etwas, ohne dass einer alles kontrolliert. Da geschieht etwas Gutes, auch wenn es nicht sofort sichtbar ist. Es keimt. Es treibt aus. Es wuchert. In der Natur ist es so, und vielleicht manchmal auch mit dem Guten.

Natürlich sollten wir tun, was in unserer Hand liegt: Schützen, was bedroht ist. Bewahren, was uns anvertraut ist. Unsere Gewohnheiten ändern, wo es nötig ist. Aber es hängt nicht alles nur an uns.

Manchmal wächst schon etwas. Im Verborgenen. Zwischen den Ritzen. Auf scheinbar verlorenem Boden. 

Mein letzter Gedanke zum Umwelttag: Die Erde ist verletzlich. Ja. Aber sie ist auch voller Lebenskraft. Und das Gute auch.