Ein Kind bläst Seifenblasen in einem Garten. Viele bunte Blasen schweben in der Luft, während das Kind in einem hellen Pullover lächelt. Der Hintergrund ist unscharf, wodurch der Fokus auf den spielenden Spaß gelegt wird.
01.06
2026
06:50
Uhr

Werden wie die Kinder

Ein Beitrag von Matthias Drodofsky

Heute ist Internationaler Kindertag. Ein Tag, an dem Kinder im Mittelpunkt stehen. Ihre Rechte. Ihr Schutz. Und die Frage: Was brauchen Kinder, damit sie gut aufwachsen können? 

Denn leicht ist das oft nicht. Viele Kinder stehen heute früh unter Druck. Da sind Erwartungen von Eltern. Leistungsdruck in der Schule Für manche Kinder fühlt sich Schule deshalb schon früh an wie ein Wettbewerb.

Dann ist da noch der soziale Druck in Klassen und Gruppen: Dazugehören wollen. Nicht auffallen. Mithalten können. Gerade Kinder merken sehr genau, wer die richtigen Marken trägt, wer im Urlaub war, wer ein eigenes Zimmer hat oder das neueste Handy.

Und auch die Sorgen der Erwachsenen bleiben Kindern nicht verborgen: Wenn das Geld knapp ist. Wenn Mieten steigen. Wenn Lebensmittel teurer werden. Wenn Eltern sich fragen, wie Familienleben überhaupt noch bezahlbar bleiben soll. Kinder spüren solche Spannungen oft lange bevor darüber gesprochen wird.

Unbeschwert Kind sein — das ist heute nicht selbstverständlich. 

In der Bibel sagt Jesus einmal zu den Menschen: Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr das Himmelreich nicht sehen. Ich finde diesen Satz herausfordernd. Denn meistens machen wir es genau andersherum. Wir Erwachsenen versuchen nicht, von Kindern zu lernen. Sondern wir erwarten von Kindern, dass sie möglichst schnell werden wie wir.

Organisiert. Leistungsfähig. Anpassungsbereit. Mit dem Gefühl, funktionieren zu müssen.

Dabei gehört zum Kindsein doch etwas anderes. Zeit zum Spielen. Zeit zum Träumen. Zeit, sich in einer Sache zu verlieren. In einem Spiel. In einer Freundschaft. In einer Idee.
Natürlich brauchen Kinder gute Bildung. Schutz. Förderung. Auch Mitbestimmung. Aber sie brauchen auch das Recht auf Unbeschwertheit. 
Ich glaube, wir Erwachsenen brauchen diesen Kindertag - um zu fragen, was wir von Kindern lernen können: nämlich Staunen, Vertrauen, Gegenwart. Die Fähigkeit, ganz im Moment zu sein. Und vielleicht beginnt Kinderfreundlichkeit genau da: Wenn wir Kindern Räume lassen. Zum Wachsen. Zum Fragen. Zum Spielen. Zum Kindsein.