Eine Person sitzt auf einem Stuhl und hält sich mit einer Hand den unteren Rücken. Sie scheint Schmerzen oder Unbehagen zu empfinden. Der Raum ist hell und modern, mit Pflanzen im Hintergrund.
16.03
2026
06:50
Uhr

Es ist schon ein Kreuz


Ein Beitrag von Thomas Steinbacher

„Es ist schon ein Kreuz!“, so klagen wir, wenn uns Lebensumstände heftig zu schaffen machen. Oder auch, wenn uns ein Mitmensch das Leben schwer macht. Belastend ist das. Ein Kreuz. Aber… - so reden wir dann weiter - da müssen wir halt durch, denn „jeder hat eben sein Kreuz zu tragen“. 
Ja, es gibt viele Redensarten, in denen dieses zentrale christliche Symbol vorkommt: das Kreuz. Wem der Rücken weh tut, der hat Kreuzschmerzen oder seufzt gleich: „Ich hab’s im Kreuz!“ oder „Mein Kreuz tut weh!“ Damit ist dann das Kreuzbein gemeint, im Mediziner-Latein: Os sacrum, zu Deutsch: der „heilige Knochen“, der sitzt ganz am unteren Ende der Wirbelsäule… Warum ausgerechnet der „heilig“ sein soll? – das lass ich mir mal von meinem Orthopäden erklären.
Wer ein sprichwörtlich „breites Kreuz“ hat, kann viel tragen und auch viel er-tragen. Dagegen gilt jemand mit einem „schwachen oder schmalen Kreuz“ als nicht so belastbar und wird vielleicht schnell mal „aufs Kreuz gelegt.“ Wer nicht aus dem Knick kommt, dem muss man die Dinge erst mühsam „aus dem Kreuz leiern“. 
„Da lass ich mich nicht drauf festnageln“ – sagen wir, wenn wir das Gefühl haben, dass man uns auf irgendwas „festlegen“ will. 
Aber am Ende, wenn alles gut ausgeht, „machen wir erleichtert drei Kreuze“.
So viel Rede vom Kreuz – immer noch.
Christenmenschen sind in den Wochen vor Ostern mittendrin in der Passionszeit. Der Kreuzweg von Jesus Christus rückt dabei vor Augen. Ein Leidensweg. Eine schreckliche Geschichte ist das, aber für mich als Christ eine entscheidende. 
Es geht darum, an wen oder was ich glaube: an einen überirdischen Gott, der fern vom Schlamassel der Welt über den Wolken thront und sich einen Teufel um uns schert? Oder an einen, der aus lauter Liebe zu uns runterkommt - in diese Welt und dieses Leben. Der selber Mensch wird, uns nicht allein lässt mit unseren Schmerzen und Kreuzen. Der mitleidet. Ja noch mehr: der unser Kreuz auf sich nimmt, sich festnageln lässt auf die Liebe – so wie Jesus das getan hat. 
Ja, vieles in diesem Leben ist schon ein Kreuz. Und Gott ist sich nicht zu schade dafür.