Ein Stapel von Aktenordnern ist auf einem Tisch angeordnet. Die Ordner sind in verschiedenen Farben und in unterschiedlichem Zustand. Einige sind mit gelben Haftnotizen markiert, was auf eine sortierte Ablage oder anstehende Aufgaben hinweisen könnte.
17.03
2026
06:50
Uhr

Von Pontius zu Pilatus

Ein Beitrag von Thomas Steinbacher

Als Ghassan, ein syrischer Christ, vor 10 Jahren auf gefährlichen Fluchtwegen nach Berlin kam, musste er sich durch den deutschen Behörden-Dschungel schlagen, um nicht als Illegaler gleich wieder abgeschoben zu werden. Ausländerbehörde, Asylantrag, Sozialamt, Grundsicherung, Integrationskurs… Immer wieder Behördentermine, Papierkram, bürokratische Hürden. Vieles nötig, manches unnötig, vieles doppelt und dreifach. Er wurde, wie man sprichwörtlich so sagt, von Pontius zu Pilatus geschickt. 

Die Redensart hat ihren Ursprung in der Passionsgeschichte, wie sie in der Bibel erzählt wird. Nachdem Jesus festgenommen und von der damaligen Religionsbehörde – dem Hohen Rat - verurteilt worden war, wird er der römischen Besatzungsmacht übergeben, zur Urteilsvollstreckung. Doch der römische Statthalter in Jerusalem, Pontius Pilatus, taktiert und schindet Zeit: Er lässt den Verurteilten dem König Herodes vorführen. Der quält Jesus mit weiteren Verhören und Demütigungen und lässt ihn wieder zurück zu Pilatus bringen. Der machte dann eine Volksbefragung, die anderes ausgeht, als er will. Er verurteilt schließlich Jesus zum Tod, weist aber die Verantwortung von sich.

Die Redensart, dass jemand von Pontius zu Pilatus geschickt wird, steht seitdem für Behördenwillkür und sinnlose Wege, die Menschen gehen müssen. Für manche mit schlimmen Folgen, für andere nur lästig und ärgerlich. 

Vielleicht ist es ein Trost, dass auch Jesus von Pontius zu Pilatus geschickt wurde? 

Der Name des römischen Prokurators hat es später sogar ins Apostolische Glaubensbekenntnis gebracht, das bis heute alle Christen auf der Welt miteinander verbindet, da heißt es: Ich glaube an Jesus Christus, Gottes Sohn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus

Für Ghassan aus Syrien war es ein langer Weg, um endlich in der Fremde anzukommen und hier bei uns Fuß zu fassen. Ohne die Hilfe von geduldigen Menschen, die ihn und andere Geflüchtete unterstützen, ihn auch von Pontius zu Pilatus begleiteten, hätte Ghassan aufgegeben. Inzwischen hat er die deutsche Staatsbürgerschaft und lebt mit seiner Frau und seinem Sohn in unserer Nachbarschaft. Er ist angekommen.