„Möge dieser Kelch an mir vorübergehen“ - Ist Ihnen diese Redensart noch geläufig? Manchmal hört man sie noch, wenn Menschen vor einer schweren Herausforderung stehen, aber hoffen, dass sie drum herumkommen. Wenn jemand zum Beispiel der Kandidat für ein Amt ist, das keiner übernehmen will, weil es mit so viel Arbeit und Ärger verbunden ist.
Jesus hat diese Worte gesprochen: „Mein Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber.“ Das war kurz vor seiner Verhaftung und späteren Kreuzigung. Er rang da in der Nacht im Garten Gethsemane bei Jerusalem mit seinem drohenden Schicksal. Er ahnte, was kommt. Und während er voll Angst und Verzweiflung war, sind seine engsten Freunde einfach eingeschlafen. Von wegen Freunde, für die gelten sollte: „Wir stehen dir bei, wir gehen mit dir durch dick und dünn!“ Es ist eine dramatische und berührende Szene, die da in der Bibel geschildert wird.
Seiner Bitte, dass dieser Kelch an ihm vorübergehen möge, schließt Jesus weitere Worte an: „Doch nicht wie ich es will, sondern wie Du es willst, Gott, so soll es geschehen!“
Der 1945 von den Nazis hingerichtete Theologe Dietrich Bonhoeffer kannte diese Worte. Und schrieb folgendes Gebet – aus dem nach seinem Tod ein wunderbares Lied wurde: „Von guten Mächten wunderbar geborgen“.
An Gott gerichtet, betet er:
„Und reichst Du uns den schweren Kelch, den bitter‘n,
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
So nehmen wir ihn dankbar, ohne Zittern,
aus deiner guten und geliebten Hand.“
Wenn wir das Lied heute in der Kirche singen, lassen wir diese Strophe oft weg.
Der Satz kommt einem nicht so leicht über die Lippen.
Vielleicht weil wir wissen:
Es wird Zeiten und Orte geben, wo ich dem Schweren, ja sogar dem eigenen Sterben nicht ausweichen kann…
Aber, mein Gott, bitte jetzt noch nicht.
Hoffentlich geht dieser Kelch noch lange an mir vorüber.