Ein kleiner Vogel sitzt auf einem Ast zwischen dornigen Zweigen und Blättern. Der Vogel hat einen schwarz-weißen Kopf und eine gelbe Unterseite. Die Umgebung ist von dichten, braunen Ästen und grünem Laub geprägt.
13.03
2026
06:50
Uhr

Frühlingsputz für die Seele

Ein Beitrag von Franziska Frey

Man müsste mal langsam rasenmähen, denke ich von meiner Couch aus mit Blick auf den zottelig aussehenden Garten. Außerdem ist mir schon im Winter das tote Holz aufgefallen, dass da zwischen den Bäumen hängt. Jetzt muss aufgeräumt werden! Alles mal wieder sortieren – dafür ist der Frühling doch da. Ein richtiger Frühjahrsputz drinnen und draußen. Tatsächlich entdecke ich bei mir persönlich da einen Zusammenhang, denn: Wenn es um mich herum ordentlich ist, dann sind auch meine Gedanken geordneter.

Doch grade diese Unordnung ist manchmal auch wichtig. Das Summen und Brummen und aufgeregte Gezwitscher um mich herum jetzt beweist mir, dass gerade im vermeintlichen Chaos meines Gartens Tiere überwintern konnten. Die fleißigen Frühlingshelfer brauchten einen geschützten Ort, an dem sie ausruhen konnten. Das geht uns Menschen eigentlich nicht anders. Ich fühle mich ertappt: Wie oft habe ich schon mit einem Seufzer fast die Couch berührt, bereit für ein Mittagsschläfchen, als mein Blick doch noch auf den Stapel Geschirr fiel, oder auf den Wasserfleck auf der Tischplatte. Also nichts mit ausruhen, erst aufräumen! Wenn dann endlich alles gespült, poliert und sortiert ist, ist die Chance auf Mittagsschlaf vorbei. Manchmal nehme ich meine Aufgabenliste auch mit in die Nacht. Dabei brauchen nicht nur Tiere ihren Schönheitsschlaf, damit sie im Frühling durchstarten können. Auch ich brauche Zeiten, an denen Körper und Geist nicht erreichbar sind. Heute ist der World Sleep Day – der Tag zum Bewusstsein für gesunden Schlaf. Wie wichtig es ist, ordentlich zur Ruhe zu kommen, steht schon auf den ersten Seiten der Bibel: Nach sechs Tagen Schöpfung sah Gott, dass alles gut war und ruhte, vielleicht im zotteligen Gras. Bewusstes Durchatmen und Genießen. Beides braucht es. Eine Zeit der Arbeit und eine Zeit zum bewussten Runterkommen. Auch während der Arbeit braucht es Pausen um neue Kräfte und Kreativität zu sammeln. Da muss es nicht gleich ein Nickerchen am Arbeitsplatz sein. Ein kleiner Spaziergang, Kaffee mit den Kolleginnen oder ein herzhaftes Strecken und Gähnen können schon ganz neuen Anschub geben. Und das Wichtigste zwischendurch ist ein anerkennender Blick auf alles was schon gut geschafft ist. Denn alle Schöpfung braucht Pause. Auch der Mensch.