Ein älterer Mann umarmt ein kleines Mädchen, das fröhlich lächelt. Der Mann trägt eine Kappe und ein T-Shirt mit einer gelben und blauen Farbgebung. Im Hintergrund sind grüne Büsche und Pflanzen zu sehen, die eine gemütliche, freundliche Atmosphäre schaffen.
14.03
2026
06:50
Uhr

Lachen als Lebenshaltung

Ein Beitrag von Franziska Frey

Heute denke ich an meinen Opa, er hätte heute Geburtstag gehabt. Zuerst kommt mir sein Humor in den Sinn. Er war einer der Menschen, die andere zum Lachen bringen konnten, ohne sich anzustrengen. Selbst als ihm das Sprechen schwerer fiel, machte er noch Witze. Vieles von dem, was er sagte, reimte sich - bis zum Schluss. Über sich selbst sagte er gern, er sei adlig: Seine Mutter sei eine von und zu und sein Vater ein auf und davon. Es war dieser feine, manchmal schräge Humor, der Leichtigkeit in Situationen brachte, die sonst zu schwer gewesen wären.

Wie viele Menschen seiner Generation hatte er keine unbeschwerte Kindheit und Jugend. Die Erfahrungen dieser Zeit trug er mit sich ohne daraus ein Geheimnis zu machen – auch ohne andere damit zu belasten. Was mich bis heute beeindruckt, ist diese Haltung: das Wissen um das Schwere – und gleichzeitig die Entscheidung, dem Leben mit einem Lächeln zu begegnen. Ein Lächeln, das selbst auf Fotos ansteckend wirkt und ein Lachen aus tiefstem Herzen, das ich noch in den Ohren habe. Für seine Kinder, Enkelkinder und Urenkel war er ein fröhlicher, kreativer Begleiter, jemand, mit Raum für Fantasie und Spiel.

Rückblickend als Erwachsene erscheint er mir, wie das Evangelium auf zwei Beinen. Dabei war er nicht besonders gläubig. Evangelium bedeutet übersetzt „Frohe Botschaft“. Sein Leben war wie diese frohe Botschaft. Das ist nicht naiv gemeint, sondern ganz ernsthaft: Freude ist keine billige Verdrängung des Leids, sondern eine Kraft, ihm etwas entgegenzusetzen. Ich denke mein Opa hat genau das mit seinem Leben getan: Dem Leben die Stirn geboten mit einem Lachen. Türen geöffnet mit seinem freundlichen Wesen, seiner Zuversicht. Und mit seinem großen Herz für Kinder, die er verstanden hat wie kein anderer. Er ist mein Vorbild. Dank ihm fällt es mir leicht an einen Gott zu glauben, der Humor hat. Der die Tiefe von echter Trauer kennt und nicht leugnet und mich trotzdem mit Witz und einem Lachen überraschen kann. Heute wird mir besonders bewusst, dass alle Facetten meines Lebens ihre Daseinsberechtigung haben. Auch in allem Leid kann ich Vertrauen, Hoffnung und sogar Freude finden. Heute fehlt mein Opa mir besonders und gleichzeitig muss ich lachen, weil ich so viele seiner Reime im meinem Kopf habe.