Ein Silhouette einer Person in winterlicher Kleidung steht im Fokus, während Rauch oder Nebel aus ihrem Mund aufsteigt. Der Hintergrund ist dunkel und unscharf, was die Atmosphäre der Nacht verstärkt.
12.03
2026
06:50
Uhr

Ruach: Wenn der Atem mehr ist als Luft

Ein Beitrag von Franziska Frey

Meine Lunge brennt. Jeder Atemzug erinnert mich daran, dass ich lang nicht mehr gerannt bin. Mein unfreiwilliger Sprint, um die Bahn nicht zu verpassen, führt mir das schmerzhaft vor Augen. Meine Beine sind schwer, mein Herz schlägt bis zum Hals, ich bin völlig außer Atem.

In der Bibel gibt es ein Wort für diesen sehnsüchtigen Atem: ruach. Es meint mehr als bloßes Luftholen, mehr als das mechanische Ein- und Ausströmen von Sauerstoff. Als Gott den Menschen schuf, so erzählt es die Bibel, blies er ihm seinen Ruach in die Nase. Erst dieser göttliche Atem machte den Menschen wirklich lebendig. Ohne diesen Ruach, ohne den Hauch, blieb er nur Form ohne Bewegung, ohne inneres Feuer, ohne Leben. Auch ein Psalm erzählt davon:

Du sendest aus deinen Odem, so werden sie geschaffen,
und du machst neu das Antlitz der Erde.

Schon die Bibel kennt den Unterschied: Es gibt das ganz normale Atmen, das den Körper am Laufen hält, und eines, das mit Energie und Leben gefüllt ist, das belebt und erneuert und aufrichtet. In der letzten Woche habe ich viel so vor mich hingeatmet. Am Schreibtisch, vor dem Fernseher, von Termin zu Termin. Die Tage waren voll, ich habe funktioniert.

Als ich gerannt bin, habe ich Ruach gespürt, dieses Gefühl, dass da mehr ist und mehr in mir steckt: lebendiger Atem in meinen Lungen. Erinnerung an damals – an die Schöpfung. Daran, dass es im Leben um mehr geht als nur zu funktionieren.

Ich möchte Gottes lebendigen Atem wieder spüren, ganz bewusst und tief in mir. Das geht auch im Alltag, zwischen den Terminen, am Schreibtisch oder unterwegs, Morgens, Mittags oder Abends. Alles was ich dafür brauche habe ich. Ich richte mich auf und atme bewusst: Drei Sekunden lang ein, tief in meinen Bauch und spüre das Leben in mir. Ich halte kurz den Atem und empfinde eine Ruhe, die sich ausbreitet. Dann atme ich fünf Sekunden lang aus. Mit der Luft weicht auch Anspannung, meine Gesichtszüge werden weicher. Mein Atem trägt mich durch müde Stunden und volle Tage. Ich bin lebendig. Der Tag kann starten. Mit jedem Atemzug, der direkt mit Gott verbindet.