Eine Gruppe von fünf Menschen sitzt auf einem Sofa und schaut fassungsvoll einen Fernseher, während sie ein Fußballspiel verfolgen. Sie haben kleine Flaggen in der Hand und es gibt Snacks auf dem Tisch. Die Stimmung ist begeistert und familiär.
08.07
2026
06:50
Uhr

Fußball

Nicht jeder kann alles. Aber jeder gehört dazu.

Ein Beitrag von Christoph Kießig

Im Moment herrscht wieder Ausnahmezustand und nicht nur bei uns. Plötzlich wissen Menschen, die sonst nie über Geografie sprechen, wo Curacao liegt. Erwachsene Männer reden auf den Fernseher ein und geben Anweisungen, die niemand hören kann. Und irgendwo sitzt immer jemand, der überzeugt ist, dass früher alles besser war – die Spieler, die Schiedsrichter und überhaupt der Fußball.  

Aber es passiert noch etwas anderes, das im Alltag selten geworden ist: Menschen fiebern gemeinsam. Fremde fallen sich in die Arme, sie jubeln und leiden zusammen. Im besten Fall entsteht ein Gefühl von Gemeinschaft, das größer ist als all die Unterschiede. Wir haben das auch schon erlebt, einen Sommer lang, als die Welt bei uns zu Gast war.   

Natürlich hat Fußball auch seine Schattenseiten. Kommerz, Nationalismus, Homophobie und Ausgrenzung.  Aber die Begeisterung, die wir gerade erleben, erzählt auch von einer menschlichen Sehnsucht: Wir wollen dazu gehören, Teil von etwas sein, wir Menschen sind auf Gemeinschaft angelegt. 

Der Apostel Paulus vergleicht in der Bibel dieses Zusammenspiel der Menschen mit einem Körper. Nicht jeder Körperteil hat dieselbe Aufgabe. Nicht jeder kann alles. Aber jeder gehört dazu, jeder wird gebraucht und alle wirken zusammen. Diese frohe Botschaft klingt schon ein bisschen wie eine Kabinenansprache des Bundestrainers in der Halbzeitpause.  Sie ist geprägt von Teamgeist. Sie stellt nicht die Stärksten in die Mitte, sondern achtet auch auf die, die im Abseits stehen, auf der Bank sitzen, die Ausgewechselten des Lebens.  

Wir leben in einer Zeit, in der oft die Einzelnen gefeiert werden. Die Erfolgreichen, die Lauten, die Gewinner. Doch Fußball erinnert uns daran, dass Erfolge selten allein entstehen. Sie wachsen aus Vertrauen und Zusammenspiel. Aus Menschen, die füreinander laufen, kämpfen, sich reinhauen und manchmal auch die Fehler des anderen ausbügeln.  

Denn am Ende zählt nicht nur der Sieg, sondern ob wir miteinander spielen, statt gegeneinander zu agieren. Dann wären wir alle die Gewinner!