Gehören sie auch zu den Menschen, die mehrmals täglich auf die Wetter-App schauen? Nicht, weil sie Landwirt sind oder einen Segeltörn planen, sondern weil sie hoffen, dass sich die Vorhersage von vor zehn Minuten grundlegend verbessert hat.
„Regenwahrscheinlichkeit 80 Prozent.“ Das klingt bedrohlich. Und manchmal bleibt es dann doch trocken. Umgekehrt kündigt die App einen strahlenden Sonnentag an – und ich radle fünf Minuten später durch einen Wolkenbruch. Das Wetter hat eine bemerkenswerte Eigenschaft: Es macht, was es will.
Wir Menschen planen gerne. Wir organisieren Termine, Urlaube, Karrieren, manchmal sogar unser Glück. Und dann kommt etwas dazwischen. Ein Gewitter. Eine Krankheit. Eine Krise. Oder einfach ein Tag, der ganz anders verläuft als gedacht.
Schon die Menschen zur Zeit Jesu kannten dieses Gefühl. Im Matthäusevangelium sagt Jesus „Am Abend sagt ihr: Es wird schönes Wetter, denn der Himmel ist rot. Und am Morgen: "Heute gibt es Sturm, denn der Himmel ist trübe.“ Jesus fragt weiter: Warum fällt es euch leichter, Wolken zu deuten als die Zeichen der Zeit?
Das ist eine spannende Frage. Wettervorhersagen gibt es inzwischen auf die Minute genau. Aber wie steht es mit unseren Vorhersagen für das mitmenschliche Klima? Wann kündigt sich Einsamkeit an? Wann braut sich Ungerechtigkeit zusammen? Wann braucht ein Mensch Unterstützung? Dafür gibt es keine App mit Push-Nachrichten. Und doch gibt es Anzeichen. Die Kollegin, die ungewöhnlich still wirkt. Der Nachbar, dessen Briefkasten seit Tagen überquillt. Die Bekannte, die immer sagt: „Alles gut”, obwohl es ganz und gar nicht danach aussieht.
Vielleicht braucht unsere Gesellschaft weniger Wetter-Apps und mehr Aufmerksamkeit füreinander. Mehr Menschen, die nicht nur auf die Wolken am Himmel schauen, sondern auf die Menschen neben sich. Das Wetter können wir nicht kontrollieren. Aber wir können entscheiden, ob wir füreinander Sonnenschein oder Gewitter sind. Und selbst wenn dunkle Wolken aufziehen: Die biblische Hoffnung sagt nicht, dass immer die Sonne scheint. Sondern dass Gott auch im Sturm an unserer Seite bleibt. Eine Vorhersage, auf die ich mich gerne verlasse.