11.07
2026
06:50
Uhr

In Teufels Küche

Was ist "Teufels Küche" eigentlich für ein Ort?

Ein Beitrag von Christoph Kießig

„Pass auf, sonst kommst du noch in Teufels Küche!“  

Diesen Satz habe ich oft von meiner Oma gehört. Meistens, wenn ich etwas ausprobiert habe, das Erwachsene für keine gute Idee hielten. Als Kind stellte ich mir diese Küche ziemlich bildlich vor: große schwarze Töpfe, schwefelgelbe Flammen und einen Teufel mit Kochmütze, der irgendetwas Anrüchiges zusammen rührt oder an einem Spieß einen Satansbraten über dem Grill dreht.  
 
Aber warum eigentlich ausgerechnet die Küche des Teufels? Der Keller zum Beispiel böte sich doch viel besser an, für gruselige oder schlimme Szenarien, die uns bevorstehen, so wie es das Sprichwort sagt.   

Küchen sind doch Orte des Lebens. Da wird gekocht, gestritten, gelacht, manchmal geweint und meistens auch gegessen. In vielen Familien ist die Küche der eigentliche Mittelpunkt des Hauses. Vielleicht steckt in der Redewendung auch noch ein tieferer Gedanke: Schwierigkeiten entstehen dort, wo Menschen zusammenkommen.  

Auch in der Bibel geht es erstaunlich oft ums Essen. Jesus sitzt ständig mit Menschen am Tisch, nicht nur mit seinen Jüngern, sondern auch mit Zöllnern und Außenseitern. Leute, mit denen die meisten anderen nichts zu tun haben wollen. Viele fanden das skandalös. Jesus selbst geriet dadurch regelmäßig in “Teufels Küche”. Wer Grenzen überschreitet, wer mit den Falschen redet, wer Ausgeschlossene einlädt, macht sich nicht immer beliebt. Doch genau dort entsteht etwas Neues. Gemeinschaft. Versöhnung und Menschlichkeit.  

Vielleicht ist „Teufels Küche“ gar nicht der Ort, an dem wir büßen müssen. Vielleicht ist sie dort, wo Menschen ausgegrenzt werden. Wo Vorurteile immer wieder aufgewärmt werden, wo Neid auf kleiner Flamme köchelt. Wo Hass oder Gleichgültigkeit ständig neu angerührt werden.  

Jesus hat da andere Rezepte vorgeschlagen. Er spricht von Barmherzigkeit statt Verachtung. Von Nächstenliebe statt Abgrenzung. Von einem Ort, an dem Platz für alle ist.  

Jetzt muss ich aber rüber, da sitzt schon meine ganze Familie und wartet mit dem Frühstück. In unserer Küche wird immer wieder das Brot und das Leben geteilt, gibt es in kleinen Portionen Zuversicht und Hoffnung, wird Liebe und Toleranz eingeschenkt. Ein guter Anfang, damit wir nicht in Teufels Küche kommen.