Ich darf Menschen oft den Segen zusprechen. Im Grunde darf das jeder, dem es etwas bedeutet, aber ich tue es als Pfarrer von Berufs wegen. Ich segne die Gemeinde im Gottesdienst, ich segne Verstorbene, einander Liebende, Konfirmanden und frisch Getaufte. Ich segne Menschen, die in den Ruhestand gehen oder Kinder, die eingeschult werden. Wir segnen als Kirche oft und gerne, weil wir damit sagen und zeigen wollen, dass Gott es gut mit uns meint und uns auf unserem Lebensweg begleitet.
Es ist schön, dabei zu beobachten, wie unterschiedlich Menschen diesen Segen annehmen. Manche schließen die Augen, andere schauen mich ganz bewusst an, manche öffnen ihre Handflächen, so als ob sie etwas empfangen wollen. Manche lächeln, manchen steigen dabei die Tränen in die Augen, manche lassen keine Regung nach außen gelangen.
Alles richtig, alles gut. Und die Vielfalt gilt auch für mich: Es gibt für mich als Pfarrer verschiedene Segensgesten. Wenn die zu Segnenden weiter weg sind, breite ich die Arme mit nach vorne geöffneten Handflächen wie Flügel aus; wenn ich eine Person direkt vor mir segen, halte ich dabei meine Hände auf den Kopf oder die Schulter.
Ende diesen Monats, am Reformationstag, werde ich selbst gesegnet. Ich werde da aus meiner wunderbaren Kirchengemeinde in Forst (L.) verabschiedet und trete eine neue Stelle in Berlin-Neukölln an. Segen ist für alle da, auch für die, die ihn austeilen. Es tut gut, mit diesem göttlichen Zuspruch im Rücken den neuen Wegabschnitt zu gehen.
Vermutlich wird man mir die Hand dabei auf den Kopf legen. Ich mag das. Es berührt mich, dass Segen durch die Hände zugesprochen wird. Mit unseren Händen wirken wir in dieser Welt, mit ihnen greifen wir zu oder geben etwas weiter. Eben auch den Segen.
Und was heißt das nun? Für mich bedeutet Segen das: Ich gehe nicht alleine durch die Welt. Segen ist Rückenstärkung von denen die bleiben für die, die gehen. Morgens aus dem Haus, unterwegs auf Reisen oder in eine neue Stadt, an einen neuen Arbeitsort oder irgendwann aus diesem Leben: Gott bleibt, wo auch immer wir hingehen.