Es ging ein Sämann aus, zu säen seinen Samen. So beginnt ein Gleichnis der Bibel, das Jesus im Lukasevangelium erzählt.
Was für ein schöner Beginn. Und intensiv: Man hört den Rhythmus, in dem der Sämann die Samen auf den Acker streut. Mit Bedacht, sorgfältig, mit Blick für das Land, das vor ihm liegt. Ich stelle mir vor, wie er das wunderbare Gefühl genießt, wenn sich die Hand zwischen die Samen schiebt. Wie es duftet. Er greift zu, holt aus und streut die Samen mit Schwung auf den Ackerboden. Er weiß, dass nicht alle Samen Wurzeln schlagen werden. Manche werden einfach nichts, andere finden keinen guten Boden, wieder andere werden aufgepickt und so weiter. Jeder Landwirt weiß das. Doch das hindert den Sämann nicht, trotzdem weiter zu machen. Er vertraut darauf, dass doch irgendwo ein Korn hinfällt und hundertfach Frucht bringt. Und damit wieder Samen, die sich wieder vermehren.
Und ich denke: So ist es doch auch mit Gott und uns Menschen. Gott ist Sämann, sein Wort wie ein Samenkorn – die Menschen der Acker: Es gibt Zeiten, da bin ich verhärtet. Kann nichts mehr aufnehmen. Keiner kann mich erreichen. Und dann gibt es Tage, an denen mir ein Wort zufliegt, es wächst in mir weiter und beginnt irgendwann zu blühen – wie ein Schneeglöckchen im kalten Boden.
Der Sämann geht verschwenderisch mit seinem Saatgut um. Vieles scheint verloren: auf dem Weg, zwischen Felsen und Dornen. Doch was auf guten Boden fällt, trägt hundertfach Frucht. Erstaunlich: Ausgerechnet die Verschwendung führt zu überwältigender Fülle.
Das macht mir Hoffnung, gerade in diesen unruhigen Zeiten, wo sich Meinungen verhärten und Menschen nicht mehr erreichbar sind.
Gottes Wort von Liebe und Versöhnung hat seit Jahrtausenden Bestand. Warum sollte es ausgerechnet jetzt verstummen? Ich vertraue darauf, dass es Menschen erreicht – auch mich. Und Hoffnung gibt. Vielleicht erreicht es mich manchmal unbemerkt, vielleicht langsam. Aber es wächst.