02.09
2025
06:50
Uhr

Gute Aussichten

„Gute Aussichten“, so lautet der Name einer Ausstellung, die bis August auf der Koblenzer Festung Ehrenbreitstein zu sehen war. Ich war im Urlaub für ein paar Tage in der Heimat und habe sie mir angeschaut. Sechsundsiebzig junge Fotografinnen und Fotografen haben den Auftrag angenommen, sich den Herausforderungen einer multikulturellen Gesellschaft zu stellen. 

Was die Ausstellung durchgehend zeigt, drückt schon das Thema „Gute Aussichten“ aus. Es gibt kein „Zurück“. Aussichten und Perspektiven für die Gegenwart und Zukunft sollen diese Fotos eröffnen. Sie alle sind keine Einladung für Kehrtwenden, sondern zum Weiterdenken. Sie laden ein zum Suchen nach einer gemeinsamen Sprache, versuchen beispielsweise die Tradition eines Tiroler Schützenvereins so zu verändern, dass der Verein durch eine geänderte Frauenrolle zukunftsfähig wird. Ein junger Fotograf zeigt mit seinem Werk, dass er sich nicht von der künstlichen Intelligenz beherrschen lassen will. Sein Motto: Was die KI kann, kann ich schon längst.

Das Kunstwerk „Sonnenallee“ schaue ich mir besonders genau an. Es besteht aus 44 gerahmten Schwarz-Weiß-Fotos. Die 104 Klingelschilder, die Hinterhöfe mit ihren Müllcontainern, alte Bäume und aktuelle Pro-Palästina-Demonstrationen, junge und alte Gesichter, Technik und Natur. Die Eindrücke, die auf den Fotos aus der Berliner Sonnenallee festgehalten wurden, sind vielfältig.

Die Sonnenallee in Neukölln ist sicher nicht der erste Ort, der Menschen zum Thema gute Aussichten in Berlin einfällt. Aber genau darum geht es: Gute Aussichten zu sehen und zu schaffen in Situationen, die eher belastend und wenig anziehend erscheinen, ja, vielleicht sogar aussichtslos. Solche guten Aussichten lassen sich meist nicht an der Oberfläche finden. Dazu müssen wir in die Tiefe gehen, genau hinsehen und uns ins Innere begeben. Die jungen Fotografinnen und Fotografen ermutigen, den Auftrag Jesu anzunehmen: „Sucht, und ihr werdet finden.“ Gott sei Dank.