Ein Silhouettenbild eines Mannes, der ein Fahrrad hält, während er vor einem bunten Sonnenuntergang steht. Die Farben des Himmels variieren von Orange zu Lila, wodurch eine ruhige Atmosphäre entsteht.
27.03
2026
06:50
Uhr

Hosianna – Hilf doch!

Ein Beitrag von Merle Remler

„Hosianna! Gelobt sei, der da kommt, im Namen Gottes!“
So hallte es angeblich vor rund zweitausend Jahren durch Jerusalem. Wenn man den alten Schriften glauben darf – und warum nicht, schließlich steht auch in der Zeitung mancherlei, das merkwürdiger klingt.

Ich stelle mir vor, das Ganze spielte sich heute ab. Nicht im Heiligen Land, sondern hier — zwischen Perleberg und Prenzlauer Berg. Und anstelle eines Esels vielleicht ein etwas klappriges Hollandrad, das seine besten Tage schon gesehen hat. Keine schwarze Limousine mit getönten Scheiben, kein Sicherheitskonvoi. Nur dieser Mann da, freundlich, unaufgeregt, einer wie du und ich — näher dran an dem, was wir alle suchen.

Und ich spinne weiter: Die Leute kämen aus ihren Häusern, nicht anders als damals. Der eine mit der Kaffeetasse in der Hand, die andere im Bademantel. Ein paar räumen noch schnell die leeren Pizzakartons vom Gehweg, andere fischen das Handy aus der Tasche. Und dann ertönt ihr Ruf: „Hosianna!“ – was nichts anderes heißt als: „Hilf doch!“

Der Ruf ist kein triumphierender Jubel, sondern ein sehnsuchtsvoller Ruf nach Veränderung, die Hoffnung auf einen, der Frieden bringt und ihn nicht nur auf Wahlplakate schreibt.

Aber, in den Jubel mischen sich heute wie damals schnell Misstöne. Während die einen begeistert sind, tauchen auch schon die Skeptiker auf. Die, die immer genau wissen, warum das alles nicht funktionieren kann. Und irgendwo in einem Hinterzimmer planen schon die ersten, wie man diesen Mann, der alles verändern soll, wieder loswerden kann.

Auch Jesus wusste damals, dass einer seiner Freunde ihn verraten würde. Ich frage mich heute:

Wo stünde ich da? In der ersten Reihe, mit wehender Fahne? Oder lieber hinten, halb versteckt, eher abwartend, ob sich das lohnt? Die Erfahrung lehrt: Mut ist selten so bequem wie Zuschauertum. Und Schweigen hat einen niedrigen Energieverbrauch.

Der Mensch auf dem Esel zeigt uns einen anderen Weg. Er kommt nicht distanziert von oben herab, sondern wagt sich mitten unter uns. Er sucht das Gespräch, die Berührung, die Versöhnung, ist da, wo die Menschen sind, in ihrem Alltag und in ihren Nöten. Und ich wünsche mir, dabei stehen zu können, inmitten dieser Nähe und selbst nah zu sein.

„Hosianna – hilf doch!“