Mit großen Schritten gehen wir durch den Frühlingsanfang schnurstracks auf Ostern zu. Das bedeutet, mitten hindurch durch die Passionszeit. Diese stilleren Wochen im Kirchenjahr, in denen selbst der Himmel manchmal ein bisschen zu schweigen scheint, auch wenn der wachsende Frühling uns schon etwas von dem Osterlicht verspricht. Es scheint, als hätte Gott selbst das Licht gedimmt, vielleicht, damit wir genauer hinsehen. Oder eben tatsächlich ruhiger werden, was ja in der lauten, bewegten Zeit gerade gar nicht so leicht ist.
Das Wort „Passion“ bedeutet ja eigentlich leiden. Es ist die Zeit, in der Christen an die Leidenszeit Jesu denken, eine Zeit, in der Menschen innehalten und Verzicht üben. Worauf auch immer. Dahinter steht folgender wichtiger Gedanke: Mal einen anderen Weg einschlagen, als den gewohnten. Das ist nicht immer einfach, denn funktionieren, weitermachen in gewohnten Gleisen statt still zu stehen, nicht die eigene Haltung überdenken, sondern in der eingeübten zu verharren, ist doch so viel einfacher. Darin fühle ich mich ertappt. Und bin deshalb dankbar, dass die Passionszeit mich immer wieder genau dazu auffordert, auch mal stehen zu bleiben und mich umzusehen.
Denn Leiden entsteht doch oft gerade dort, wo wir einander übersehen. Wo die Hast größer ist als das Herz. Wo wir vergessen, dass das Kreuz kein bloßes Schmuckstück ist, sondern ein Zeichen: der Anfang von etwas Neuem, unfassbar Großem.
Jesus ging seinen Weg konsequent anders als menschliche Wege oft sind. Er wehrte sich nicht mit Gewalt, sondern mit Liebe. Das ist wohl das Schwerste überhaupt: nicht zurückzuschlagen, sondern stehenzubleiben. Aufzumerken. Hinzusehen.
Eine Herausforderung, der ich mich stellen möchte. Nicht erst morgen, sondern heute. Hier und jetzt. Auch wenn ich oft nicht weiß, wie.
Aber die Passionszeit erinnert daran, dass Gott sogar in meiner Ohnmacht gegenwärtig ist. Im Unvollkommenen und im Schmerz, in der Stille und im Zweifel, wenn ich nicht mehr weiter weiß. Auferstehung beginnt nicht erst an Ostern, sondern überall da, wo jemand trotz Schmerz, Verletzung und Ärger Güte wagt. Ganz konkret und praktisch: indem ich zum Telefon greife, einen Besuch mache oder – ganz aus der Zeit gefallen – einen Brief schreibe. Wenn jemand freundlich sagt: Ich mag dich trotzdem.
Nicht, weil es leicht ist, sondern gerade weil es schwer ist.