„Ich hab die Nacht geträumet“. So beginnt ein Gedicht von Hoffmann von Fallersleben. Auch ich habe heute Nacht geträumt. Sie vielleicht auch.
Träume begleiten uns durch unser Leben, sie faszinieren, beunruhigen, sind oft rätselhaft. Träume haben in allen Kulturen ihren Platz, auch in der Bibel wimmelt es von ihnen: sie kommen als Verheißung oder Warnung, Wegweiser und Hoffnung. Pharaonen träumen, Propheten, Zimmerleute, Kinder. Und oft ahnen die Träumenden darin etwas vom Handeln Gottes.
Sie kennen diesen Satz bestimmt: „Ich habe einen Traum.“ – Ein Satz, der nicht aus der Bibel stammt, aber fast selber schon ein Gebet ist, ein Satz von Martin Luther King. 1963 beschrieb er mit diesen Worten seine Vision von einer gerechteren Welt. Eine kleine Anekdote verrät, dass ihm, kurz bevor er sprach, die Sängerin Mahalia Jackson zugerufen haben soll: „Martin, erzähl ihnen von deinem Traum!“ Eine Frau als Ideengeberin und Martin Luther Kings Traum jedenfalls war keine Flucht in eine bessere Welt, sondern konkreter Glaube mitten in der Realität: Er hielt träumend fest an einer realen Hoffnung, obwohl er wusste, wie schwierig der Weg wird.
Im biblischen Buch Hiob sagt Elihu: „Gott spricht auf vielerlei Weise – auch durch Träume, wenn tiefer Schlaf auf die Menschen fällt.“ Schön wäre das, wenn Gott uns durch Träume darauf aufmerksam macht, dass wir auf falschen Wegen unterwegs sind.
Ich kenne das: Wenn mich ein Traum mitten in der Nacht aufschreckt, weiß ich oft zuerst nicht, was er bedeutet. Erst, wenn ich nachträume, still werde – bete, zuhöre, fange ich manchmal an zu verstehen. Vielleicht ist das genau das, was Elihu meint: aufzuhorchen, still zu werden für Gott.
„Ich habe einen Traum“ – dieser Satz kann ein Anfang sein. Gott weckt mich auf und schickt mich träumend auf den Weg, in ein neues Denken, in mehr Frieden mit mir selbst. Träumen also – die Bilder festhalten, nachklingen lassen und mitnehmen in den Tag - und dann: Verantwortung übernehmen: für mich und für andere.