Heute Nacht hat wieder Jemand heimlich an der Zeit gedreht. Eine Stunde ist futsch. Verschwunden, einfach weg – wie ein Socken in der Waschmaschine. Man nennt das „Sommerzeit“ und tut so, als wäre das eine gute Idee.
Doch das Vorstellen der Uhren bedeutet für mich erstmal: eine Stunde weniger Schlaf. Ich spüre es heute Morgen wie viele ganz deutlich. Mein Körper hängt noch im Winter, während die Uhr schon sehnsüchtig Richtung Sommer zeigt.
Und doch sehne ich diesen Morgen immer wieder herbei. Denn nun ist der Tag wieder heller und fühlt sich trotz der verschwundenen Stunde länger an. Das Licht kehrt mit Macht zurück. Das Leben dehnt sich wieder aus, nach draußen, in die Welt.
Und während ich das Licht in mein Zimmer lasse, merke ich, wie sich auch in mir etwas bewegt – zaghaft aber spürbar: eine leise Hoffnung, dass auch meine Gedanken wieder Richtung Helligkeit wandern dürfen.
Ja, die Zeit, das ist so ein eigenwilliges Wesen. Mal hinkt man ihr hinterher, mal läuft man ihr voraus, und manchmal begegnete man sich ganz zufällig in der Gegenwart. Und so geht es alles in allem vor allem eins – nämlich voran.
In der Bibel heißt es im Buch Prediger: „Alles hat seine Zeit.“ Am Morgen hat erst einmal das Aufstehen und Losgehen seine Zeit. Es gibt die Zeit der Ruhe und es gibt die Zeit des Aufbruchs.
Also nehme ich meine alte Armbanduhr perlmuttern mit den römischen Ziffern – ein ehrliches Stück Zeitgeschichte – und drehe sie tapfer ein Stündchen vor und meine Gedanken einfach mal ein kleines Stückchen mit. Nicht weil ich es muss, sondern weil ich es möchte! Auf der Uhr fehlt eine Stunde jetzt, aber ich gönne mir dafür einfach mal eine Stunde mehr Mut. Oder 60 Minuten mehr Freiheit, 60 Minuten mehr Licht am Abend.
Und während die Zeiger ticken und die Sonne sich nicht im Geringsten darum schert, ob wir nun Winter- oder Sommerzeit haben, erinnere ich mich daran, dass Gott nicht in Minuten oder Sekunden rechnet. Er bleibt – verlässlich, jenseits aller Kalender und Kategorien.
So dürfen wir diesen Tag beginnen – mit einem müden Gähnen vielleicht, aber auch mit Vorfreude auf das, was kommt. Der Frühling nämlich: Die Zeit geht weiter. Gott geht mit.
Lit.: Die Bibel, Prediger 3,1.