Eine Gruppe von sieben Menschen sitzt um einen Holztisch in einem modernen Raum. Sie scheinen sich angeregt zu unterhalten, während auf dem Tisch Getränke und eine Schüssel stehen. Im Hintergrund sind Regale mit Geschirr und Kochutensilien zu sehen.
12.08
2025
06:50
Uhr

Lächeln geht immer

Ein Beitrag von Olaf Trenn

Darüber kannst du mal im Radio reden, sagt mir eine Freundin, als wir zusammen in einem kleinen Café im Kiez sitzen. Wir unterhalten uns über den gestrigen Start in die Arbeitswoche. Und wie anscheinend zu erwarten gewesen war, war ihre Chefin mal wieder übel drauf – also jedenfalls gegenüber den Angestellten.

Hört sich an wie in einer mittelmäßigen Fernsehserie, in der es immer einen Chef mit schlechter Laune geben muss; doch gibt es den in der Realität eben auch noch hier und da. So wie bei meiner Freundin im Betrieb. Sie erzählt: Ihre Chefin kommt eine Stunde später als das Team ins Büro, sieht drei von ihnen zusammensitzen und mault sofort los: Zu arbeiten habt ihr anscheinend wohl nichts. Doch, hatten sie. Mehr als genug sogar. Nur lässt sich manches besser gemeinsam klären – in einer Runde, in der es auch darum geht, wie man ein Problem löst, ohne dass es der Firma schadet. Sie helfen einander. Und, na klar, sie reden auch über Persönliches. Das macht dann den Kopf frei für die nächsten Schritte. Niemand stellt eine andere an den Pranger. Unter ihnen herrscht ein gutes Klima. Bis auf die Sache mit der Chefin.

Ob sie neidisch ist, unzufrieden mit sich selbst oder in Sorge ums Geschäft, vermute ich. Ob sie zuhause öfter mal Ärger hat oder meint, dass im Betrieb gelästert wird? Anscheinend hat sie auf Arbeit niemanden, mit der sie so reden kann wie die, an denen sie am Montagmorgen ihre schlechte Laune auslässt.

Doch was soll ich nun im Radio dazu sagen? Ein Appell an Chefs mit schlechter Laune, die gleich auf Arbeit ankommen nach dem Motto: Seid nett zu den Angestellten? Irgendwie billig. Oder: Habt ihr es schon mal mit einer wöchentlichen Flurrunde versucht – eine Viertelstunde, in der sich die Abteilung bewusst Zeit nimmt, um zu reden? Als ob nicht alle Chefs längst wüssten, wie sie das Arbeitsklima verbessern könnten.

Mir fällt nichts ein, außer vielleicht das: Mühselig Beladene und schlecht Gelaunte empfängt Gott mit offenen Armen und hört ihnen ruhig und aufmerksam zu – sogar dann, wenn sie erzählen, was ihnen den Start in den Arbeitstag erschwert, egal ob Chefin oder Angestellte.

Das freundliche Lächeln bestimmt dann den Start. Lächeln geht immer.