Zwei Personen umarmen sich innig in einem Raum mit Fenstern im Hintergrund. Eine Person trägt ein hellblaues Hemd, die andere ein weißes. Die Szene strahlt emotionale Nähe und Trost aus. Licht fällt sanft durch die Fenster.
20.09
2025
06:50
Uhr

Mirko

Ein Beitrag von Mathias Laminski

Vor einigen Tagen schrieb ich an einem Wort zum Tag zu Dietrich Bonhoeffer, evangelischer Pastor und Widerstandskämpfer. Zeitgleich bekam ich die Nachricht, dass ein junger Mensch sich das Leben genommen hatte.

Die Mutter meldete sich bei mir und teilte mir ihre Familientragödie mit. Mirko hatte eine Partnerin und einen Sohn und dennoch sah er scheinbar keinen anderen Ausweg als sich vom Hochhaus zu stürzen.

Zwei so unterschiedliche Lebensläufe. Fast gleichaltrig. Zwei so tragische Arten, aus dem Leben gerissen zu werden.

Dietrich Bonhoeffer wollte weiterleben. Er war jung und kämpferisch und setzte sich für das Leben ein, für seine Auffassung von Leben und Glauben in einer extrem ideologisierten Welt. Dafür wurde er gefangen genommen, verurteilt und gehängt.

Mirko hatte seine Eltern, seine Familie und war geprägt von ständigen Gefühlswallungen, vom Schwanken zwischen Leben und Tod. Er wählte und entschied sich am Ende für den Tod.

Ich bin hin- und hergerissen und empfinde Sympathien für beide. Sie stehen in Gedanken vor mir wie zwei ganz unterschiedliche Wege. Ich möchte mich nicht entscheiden, verurteilen und bewerten.

Aber vor dem Hintergrund des Glaubens und vor der Bibelstelle, die ich vor kurzem im Gottesdienst vorlas und predigte, sehe ich beider Leben in einem neuen Licht.

Da schreibt der Apostel Paulus in einem Brief an eine der von ihm gegründeten Gemeinden:

„Eure Heimat ist im Himmel“. Mir gibt dieser Aspekt Trost und Halt in diesen herausfordernden Zeiten und ich versuche mich daran festzuhalten – im Durcheinander dieser Welt und im Glauben an Gott. 

Für mich ist dieser Glaube Herausforderung und dennoch Halt und Orientierung. 

Dietrich Bonhoeffer sagte am Ende seines Lebens: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Morgen und am Abend und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Das gilt für Dietrich, für Mirko und für mich…

Ihnen, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, wünsche ich einen gesegneten Tag.