An diesem Wochenende wird es auf dem Fürstenwalder Friedhof so voll sein, wie kaum an einem anderen Tag im Jahr. Morgen ist Totensonntag – Ewigkeitssonntag wie es im Kirchenjahr heißt. Der sonst so stille Ort wird voller Leben und Bewegung sein. Schon seit Beginn des Monats tragen Angehörige Zweige und Gestecke zu den Gräbern ihrer Lieben, decken sie ein und schmücken sie für den Winter – und für diese besonderen Tage.
Jetzt am Wochenende kommen sie ohne Harke und ohne Kanne,
einfach nur, um da zu sein. Den Verstorbenen und den Erinnerungen ganz nah.
Das geht auch an anderen Orten, und doch ist dieser Ort so wichtig.
Menschen gehen zum Friedhof, um „ihren Lieben“ nah zu sein.
Einer sagt: „Sie ist im Himmel.“
Ein anderer „Er ist ins Licht gegangen.“ – „auf die andere Seite“,
als wäre da – eine Brücke –
Gern wüsste ich, wie es genau ist.
– Könnte erzählen und genau Auskunft geben als Pfarrerin, das gäbe mehr Sicherheit.
Doch das kann ich nicht. Kann nur Vertrauen.
Ich hoffe, dass da etwas weitergeht, – dass dort Raum ist, wo unsere Toten geborgen sind – ohne Schmerz und Leid. Ich glaube, dass es dort ganz anders als hier ist.
Frei – von dem, was hier wichtig ist.
Ein anderer Ort also und doch irgendwie vertraut, das wäre schön.
Mir gefällt ein Bild, dass die Bibel hat für diesen Ort.
„In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen“ sagt Jesus: „Ich gehe dahin – und bereite sie für euch vor.“ Für jeden ein Platz.
Ich hoffe, das ist ein Ort, wo sich zusammenfügt, was hier nicht weiterging.
Was schief ging hier, möge dort gut aufgehoben sein.
Unrecht wird dort gerade gerückt und nicht drüber weggesehen.
Wie es genau dort ist, wo all die geliebten und auch die seltsamen Menschen sind?
Das kann ich nur ahnen und hoffen.
Noch kann ich nur bis zum Grab gehen und das schön gestalten.
Und dabei hoffen: Für alle, die mir hier im Leben soviel gegeben haben, die wichtig waren und bleiben – für diese Lieben wünsche ich nur das Beste.
Einen Ort der Liebe und Freiheit, einen Raum der Geborgenheit.