Eine Tänzerin trägt ein farbenfrohes Kostüm mit Kopfschmuck und auffälligem Make-up. Sie hat ein breites Lächeln und bewegt sich mit Eleganz, während sie ein weißes Tuch schwingt. Die Szenerie vermittelt festliche Stimmung und Freude.
22.11
2025
06:50
Uhr

Tanz ins Leben

Ein Beitrag von Rahel Rietzl

Eine Filmszene geht mir nicht mehr aus dem Kopf: Farbenfrohe Wesen tanzen miteinander. 
Die einen sind Menschen, die anderen Schatten. Sie kommen aus einer anderen Welt. Sie feiern das mexikanische Fest der Toten – „el dia de muertos“, das so anders ist als bei uns das Totengedenken:

Leuchtend, fröhlich, mit Musik und Blumen feiern Menschen dort die Erinnerung an ihre Verstorbenen. Weil sie glauben: In dieser Nacht kommen die Toten zu Besuch. Es gibt ein Wiedersehen mit denen, die wir lieben – und das wird gefeiert wie ein großes Familienfest: mit Geschichten, Liedern, Lieblingsspeisen. Statt Grabesgrau leuchtendes Leben.

Die mexikanische Malerin Frida Kahlo hat so viele ihrer Bilder gestaltet. 
Selber schwer verletzt nach einem Unfall und von Schmerzen gezeichnet, 
saß sie im Rollstuhl – und malte doch farbenprächtige Bilder: 
voller Kraft und Humor und Sehnsucht nach Leben. 
Mit den Farben vertrieb sie das Dunkel. Nahm ihm die Macht. 
So ähnlich machen es Menschen in Mexiko bei diesem Fest der Toten: 
Mitten im Schmerz singen sie vom Leben.

Auch bei uns steht der November im Zeichen der Erinnerung an die Verstorbenen. Menschen gehen auf den Friedhof. Decken und schmücken die Gräber, zünden Lichter an. Angehörige stehen still am Grab und sprechen in Gedanken. – Andere gehen gemeinsam, erinnern sich. Vermissen tut weh und doch ist darin ganz viel Leben. 
Wer liebt, bleibt verbunden.

Jesus sagt: „Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“ Etwas davon spüre ich in diesem Jahr, wenn ich an meine Lieben denke – es stimmt: Die Liebe hört nicht einfach auf, sie verändert ihre Gestalt – aber sie geht weiter mit in mein Leben.

Vielleicht kann ich mir von dem farbenfrohen mexikanischen Fest etwas abschauen: 
dass Erinnerung nicht nur traurig, sondern auch dankbar und lebendig sein darf. 
Weil im Erinnern etwas aufleuchtet vom Leben, das weitergeht – auch jenseits des Todes.

So gehe ich hinein in dieses Novemberwochenende. Dankbar für die, die waren. Und mit Trost: Von guten Mächten sind wir wunderbar geborgen – Lebende und Tote.
Und vielleicht tanzen wir eines Tages wirklich miteinander – leuchtend, fröhlich im Licht der Ewigkeit.