Eine Hand greift nach einer anderen Hand, die sich in der Nähe befindet. Die persönliche Verbindung und das Holding sind zentral, wobei die Umgebung unscharf im Hintergrund bleibt. Beide Hände sind im Fokus dieser Berührung.
05.03
2026
06:50
Uhr

Vertrauen ist der Grundstoff von allem

Freundschaft, Liebe, Familie, Arbeit

Ein Beitrag von Hans-Joachim Ditz

„Vertrauen ist der Grundstoff von allem!“ Das hat Gesine Schwan einmal gesagt, die Politikwissenschaftlerin und frühere Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder. Im Jahr 2008 hat sie das gesagt, auf dem Höhepunkt der internationalen Finanzkrise, als viele Menschen verunsichert waren. Bleiben unsere Währung und unsere Wirtschaft stabil? Das fragen sich auch heute wieder viele.

Vertrauen ist der Grundstoff von allem. Gesine Schwan hat recht. Ohne Vertrauen funktioniert unser Leben nicht. Beziehungen, auch politische und wirtschaftliche Beziehungen, brauchen Vertrauen. Freundschaft, Liebe, Familie, Arbeit – alles das lebt davon, dass wir uns aufeinander verlassen können. Ohne Vertrauen entstehen Misstrauen, Kontrolle und Distanz. Nähe wird unmöglich. Vertrauen macht Handeln möglich. Jeder Schritt ins Unbekannte – eine Entscheidung, ein Neubeginn, ein Gespräch – braucht Vertrauen. Ohne Vertrauen würden wir stehen bleiben, aus Angst vor Fehlern oder Verletzungen.

Deshalb verstört es umso mehr, das ausgerechnet in der Bibel steht: „Verflucht sei der Mensch, der auf Menschen vertraut!“ (Jer 17,5) Das ist ein drastisches Wort des Propheten Jeremia, das heute in den katholischen Gottesdiensten gelesen wird. Die Bibel ist manchmal schon ein verstörendes Buch. Es gehört aber auch zur Lebenserfahrung, das Vertrauen enttäuscht und gebrochen wird. Wer hat das nicht schon einmal erlebt? Insofern hat Jeremia wohl nicht ganz Unrecht. Die Spannung zwischen Vertrauen und Misstrauen, sie bleibt unauflösbar, wir müssen mit dieser Spannung leben lernen. Jeremia ist sich sicher, dass es wenigsten einen gibt, auf den wir uns verlassen können. Und so endet er versöhnlich: „Gesegnet der Mensch, der auf den Herrn vertraut und dessen Hoffnung der Herr ist. Er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und zum Bach seine Wurzeln ausstreckt:
Er hat nichts zu fürchten, wenn Hitze kommt; seine Blätter bleiben grün; auch in einem trockenen Jahr ist er ohne Sorge, er hört nicht auf, Frucht zu tragen.“ (Jer 17, 7f)