Das Bild zeigt das Bedienelement eines Fahrzeugs mit verschiedenen Temperatur- und Klimaanpassungsoptionen. Es gibt Regelknöpfe für die vordere und hintere Klimaanlage sowie eine Warnblinkanlage, die rot leuchtet. Weitere Symbole für Sitzheizungen und Fahrzeugsicherheit sind ebenfalls sichtbar.
20.12
2025
06:50
Uhr

Warnleuchten

Ein Beitrag von Olaf Trenn

Auf einmal ist es da. Ohne jede Vorwarnung.

Unvermittelt leuchtet im Display meines Autos ein Licht auf,

eine kleine Lampe mit einem Ausrufezeichen drin. 

Sie strahlt in achtungsgebietendem Orange.

Ein schlechtes Zeichen.

 

Verunsichert halte ich auf dem nächsten Parkplatz an. 

Darf ich weiterfahren, oder nimmt der Motor schweren Schaden? 

Dann besser Zündschlüssel raus und sofort den Abschleppdienst ordern.

Und all das kurz vor Weihnachten. Ich versuche, mich zu beruhigen: 

Ein orangenes Licht ist nicht so schlimm wie ein rotes – oder?

 

Ich krame die Bedienungsanleitung aus dem Handschuhfach. 

Nach einigem Hin- und Her-Blättern werde ich fündig:

Eine Glühlampe ist defekt! Ich gehe um den Wagen herum 

und sehe, dass hinten links tatsächlich ein Licht ausgefallen ist. 

Ja, die Birne muss ausgewechselt werden. Aber ich kann zumindest weiterfahren. 

 

Das orangene Licht im Display nervt mich während der Fahrt. 

„Hör auf zu leuchten, ich weiß ja jetzt, dass eine Birne fehlt.

Ich werde die Lampe austauschen, versprochen!“ 

 

Aber: Ein Warnsignal hat auch was Gutes. Im Auto – und im Leben

Es wäre toll, wenn ich da auch so eine Lampe hätte, die mich warnt, 

sobald ich nicht mehr so herzlich leuchte, wie ich könnte. 

Sobald meine Menschenfreundlichkeit nachlässt 

oder meine Lebensenergie zu flackern beginnt. 

Und am allerbesten wäre ein Warnsignal, das mir ein Zeichen gibt, 

noch bevor mein Glühfaden durchknallt und ich ausgebrannt bin.

 

Mitmenschen fallen mir ein, denen ich in der Adventszeit das Recht einräume, 

mich daran zu erinnern, dass für alles Wesentliche zu Weihnachten längst gesorgt ist 

und meine Vorbereitungen unvollendet und ruhig fehlerhaft sein dürfen. 

Häufig machen gerade diese Patzer den Charme eines Festes aus. 

Auch Gott feierte sein Geburtsfest in Bethlehem ja unter sehr bescheidenen Umständen. 

 

Falls Sie wie ich am Heiligabend einen Gottesdienst besuchen, 

spricht ihnen jemand am Ende zu: „Gott segne dich und behüte dich, 

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir und gebe dir Frieden.“

Ein gutes Zeichen.

 

Und nach dem Gottesdienst gehe ich dann nach Hause,

zünde die Kerzen am Christbaum an und schmunzele über die eine, 

die orange leuchtet, und über die andere, die partout nicht angehen will.