Momentan sind die Bäume noch immer kahl. In seinem Herbstgedicht erinnert Rainer Maria Rilke daran: Wie ein Baum sich in den Jahreszeiten verändert, so kommt auch der Mensch einmal im Herbst seines Lebens an:
Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält. (1)
Wir Menschen werden von Rilke als Teil der Schöpfung gesehen. Wir sind nicht die sog. Krone der Schöpfung. Auch nicht ihr Gegenüber. Vielmehr wird der Mensch als zur Natur gehörig gesehen. Er ist dem Wandel und damit dem Sterben unterworfen wie alles in der Natur.
Ich bin froh, dass es für mich diesen Einen gibt, der mein Leben und mein Sterben in seinen Händen hält. So erinnern mich Rilkes Zeilen auch an das Trostwort: Du kannst nicht tiefer fallen als in Gottes Hände. Das soll mir recht sein!
Eine gute Nacht mit Gottes Segen!
(1) Rainer Maria Rilke: Die Gedichte. Inselverlag, Frankfurt/Main und Leipzig, 5. Aufl. 2014, S. 305.