In den Psalmen der Bibel ringen die Beter mit Gott. So auch, wenn es um das Sterben geht. Sie fragen: Was hast du Gott, davon, wenn ich sterbe, dann kann ich dich ja nicht mehr loben.
In einem Gedicht von Rainer Maria Rilke begegnet mir dieses Feilschen auch. Aber es schwingt auch ein ängst-liches, zagendes Fragen mit. Gepaart mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein, oder besser: Überheb-lichkeit und Ich-Zentriertheit. Als gäbe es nur den Rilke, und sonst keinen Menschen auf dieser Welt.
„Was wirst du tun, Gott, wenn ich sterbe?
Ich bin dein Krug (wenn ich zerscherbe?)
Ich bin dein Trank (wenn ich verderbe?)
Bin dein Gewand und dein Gewerbe,
mit mir verlierst du deinen Sinn.
….
Was wirst du tun, Gott. Ich bin bange.“ (1)
Mit Gott über die eigene Angst vor dem Tod im Gebet zu sprechen – das halte ich für eine wirklich gute Idee. Denn mit ihm kann ich alles teilen, was mich innerlich bewegt. Hilfreich ist mir auch ein Wort Jesu. Er erinnert daran, dass die Angst zu meinem Leben gehört: „In der Welt habt ihr Angst“, sagt er. (2) So ist das nun mal. Wie sollte es denn auch anders sein, wenn wir einmal das fremde Land des Todes betreten?
Eine gute Nacht mit Gottes Segen!
(1)Rilke- Das Stundenbuch, Frankfurt am Main 1979, 6. Aufl. S. 31.
(2)Die Bibel, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 2006, Johannesevangelium, 16,33 - S. 130.