Ich hoffe, Sie können jetzt in Ruhe durchatmen und die Füße zufrieden hochlegen. Ein Gedicht von Rainer Maria Rilke - soll Sie in die Nacht begleiten:
„Du darfst nicht warten, bis Gott zu dir geht
und sagt: Ich bin.
Ein Gott, der seine Stärke eingesteht,
hat keinen Sinn.
Da musst du wissen, dass dich Gott durchweht
seit Anbeginn,
und wenn dein Herz dir glüht und nichts verrät,
dann schafft er drin.“ (1)
Rilke geht davon aus, dass Gott uns näher ist, als wir gemeinhin annehmen. „Du musst wissen, dass Gott dich durchweht, seit Anbeginn“ – so Rilkes fast mahnende Worte. Sie erinnern mich daran, dass es eine ganz ursprüngliche Verbindung zu Gott gibt – und die liegt in meiner Lebendigkeit.
Schon die Schöpfungsgeschichte erzählt Ähnliches: Gott haucht dem Menschen seinen Atem ein und macht ihn so lebendig. So, wie wir atmen, ohne es zu merken, so ist Gott ins uns – ganz nah.
Bevor Sie nun einschlafen, tun Sie es einmal bewusst: Atmen Sie tief durch, die Augen geschlossen.
Wer möchte, kann auch ein kurzes Gebet sprechen, zum Beispiel: „Gott, ich danke Dir, dass Du mich lebendig gemacht hast!“
Eine gute Nacht mit Gottes Segen!
(1) Rainer Maria Rilke. Die Gedichte. Insel Verlag Frankfurt/M. und Leipzig 2006, S. 196.