Ein silberner Traktor mit Schaufel auf einem Spielbrett, das an Monopoly erinnert. Im Hintergrund sind verschiedene Spielsteine und Spielfelder zu sehen, darunter das Wort "LOS". Der Fokus liegt auf dem Traktor, der prominent im Vordergrund positioniert ist.
07.02
2026
21:58
Uhr

"Gehe zurück auf Los!"

Ein Beitrag von Frank Küchler

„Nenn ich dich Anfang oder Untergang? Denn manchmal bin ich vor dem Morgen bang und greife scheu nach seiner Rosen Röte – und ahne eine Angst in seiner Flöte vor Tagen, welche liedlos sind und lang.“ (1)

Auch der Dichter Rainer Maria Rilke wusste, wie sich Depression anfühlt. Die Gedanken kreisen, aber man tritt nur auf der Stelle.

Ich habe mich gefragt: Habe ich es normaler Weise nicht selber in der Hand, ob ich am Morgen von einem Anfang oder einem Untergang rede? Da passiert etwas Kleines – und plötzlich steht alles Kopf.  Beim Aufgießen des Kaffees fällt mir  der Kaffeefilter von der Kanne und es gibt eine Riesensauerei in der Küche. Während ich das Desaster beseitige, höre ich den vertrauten Ton meines Smartphones. Wer will da ausgerechnet jetzt was von mir? Da kann es an manchen Tagen passieren, dass nur noch wenig fehlt und es riecht nach Untergang. 

Dann ist es gut einen Moment innezuhalten, durchzuatmen und sich zu sagen: Der Tag fängt ja gerade erst an. Und er kann noch viel Gutes für mich bereithalten. Das werde ich aber nicht zu schätzen wissen, wenn ich dem jungen Tag schon allzu früh die Überschrift „Untergang“ gebe. Also: „Gehe zurück auf Los!“ 

Eine gute Nacht mit Gottes Segen! 

(1) Rainer Maria Rilke: Die Gedichte. Inselverlag, Frankfurt/Main und Leipzig, 5. Aufl. 2014, S. 312.