„Rainer Maria Rilke – Dichter der Angst“. (1) So lautet der Titel einer Biographie über das Leben des großen Dichters. Rilke wusste, wie sich Angst anfühlt, da er selbst immer wieder am Existenzminimum lebte. Und natürlich ist das auch in seine Lyrik mit eingeflossen. Das kommt mir entgegen. Denn auch ich kenne Ängste und so bin ich damit nicht allein.
Freilich geht es hier nicht um die krank-machende Angst, sondern um jene, die wir alle kennen..Angst gehört zu unserem Leben mit dazu, sie ist wichtig. Denn sie warnt uns, wenn etwas für uns gefährlich werden könnte. Und schon diese Tatsache nimmt etwas weg von ihrem Schrecken.
Angst gehört offenbar zu den Grundgegebenheiten unseres Lebens. Sie ist sozusagen geschöpflich und insofern gottgewollt. Denn schließlich hat die Angst einen Signal-Charakter. Sie ist also auch von daher nicht nur negativ zu beurteilen. Sie kann sich sogar als wertvoll oder produktiv erweisen. Das aber setzt voraus, dass ich ihre Botschaft verstehe. So kann sie mich beispielsweise darauf hinweisen, dass ich besser auf mich achtgeben muss.
Angst ist übrigens auch nicht das Gegenteil von Gottvertrauen. Vielmehr ist es vernünftig, dass wir unseren gesunden Menschenverstand gebrauchen. Getreu dem arabischen Sprichwort: Vertraue auf Gott und binde dein Kamel fest.
Eine gute Nacht mit Gottes Segen!
Manfred Koch: Rilke – Dichter der Angst, München 2025.