Ein glänzendes Goldnugget liegt auf einem nassen, grauen Stein. Der Hintergrund zeigt verschwommen weitere Steine. Das Nugget hat eine unregelmäßige Form und schimmert im Licht.
06.02
2026
21:58
Uhr

Vom Gold im Fluss

Ein Beitrag von Frank Küchler

Der Dichter Rainer Maria Rilke lebte auch eine Zeit lang in Berlin. Im Jahr 1899 schrieb der dort diese Zeilen, die dann in seinem „Stundenbuch“ veröffentlicht wurden:

„Daraus, dass Einer dich mal gewollt hat, weiß ich, dass wir dich wollen dürfen.

Wenn wir auch alle Tiefen verwürfen: Wenn ein Gebirge Gold hat und keiner mehr es ergraben mag, trägt es einmal der Fluss zutag‘, der in die Stille der Steine greift, der vollen. 

Auch wenn wir nicht wollen: Gott reift.“ (1) 

Gott reift – das ist wieder so ein typischer Rilke

Im 1. Buch Mose findet sich dieser Gedanke Rilkes wieder. Da gibt es die Erzählung von der Vernichtung der Menschen durch eine Sintflut. Hinterher – so heißt es – bereut Gott diese seine Strafmaßnahme. Und dann gibt er den Menschen ein Versprechen: „Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen...“ (2)

Gott lässt sich also anrühren. Er lernt. Er verändert sein Handeln. Und spätestens mit der Weihnachtsbotschaft wird dieser Gedanke greifbar: Gott wird Mensch. In Jesus Christus hat sich Gott auf das Abenteuer Welt eingelassen. Als wirklicher Mensch, der das menschliche Leben in seinen Höhen und Tiefen kennengelernt hat. Vielleicht meint Rilke genau das, wenn er sagt: Gott reift. 

Eine gute Nacht mit Gottes Segen!

(1) Rilke-Das Stundenbuch, Frankfurt am Main 1979, 6. Aufl. S. 19.

(2) Die Bibel, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 2016, S. 9.