„Du musst das Leben nicht verstehen, dann wird es werden wie ein Fest.
Und lass dir jeden Tag geschehen so wie ein Kind im Weitergehen von
Jedem Wehen sich viele Blüten schenken lässt.“ (1)
Nein. Müssen muss ich nicht. Aber ich will! So würde ich Rainer Maria Rilke auf seine Gedichtzeilen antworten. Seine Zeilen haben in meinen Ohren etwas Einlullendes. Ich traue dieser Art von Gelassenheit nicht.
Ich bin mehr von der eigenen Rationalität geprägt. Ich will verstehen. Ich will Erklärungen finden. Und sollten sie auch nur vorläufig sein. Aber dieser Wille ist wie ein Motor, der mich antreibt.
Das gilt auch für die Fragen meines christlichen Glaubens. „Fides quaerens intellectum“ - so lautet eine alte Formel - der Glaube befragt den Verstand. Das trifft es. Mein Glaube ist wie ein Fundament, auf dem ich stehe. Von dort aus stelle ich mich den Fragen meines Lebens.
Das heißt aber nicht, dass sich das Verstehen erzwingen ließe. Es bedeutet auch nicht, dass ich dem Wahn verfallen wäre, alles erklären zu können. Ich akzeptiere vielmehr, dass ich manches nicht erklären kann. Und manchmal drücke ich es in Gesprächen ein bisschen flapsig so aus: Auch ein Christ hat nicht für jeden Topf einen Deckel.
Eine gute Nacht mit Gottes Segen!
1 Rainer Maria Rilke: Die Gedichte. Inselverlag, Frankfurt/Main und Leipzig, 5. Aufl. 2014, S.165.